Von:
Burkhard Pechmann

e-wind.de

Wind ist etwas Eigenartiges: irritierend, beruhigend, flüsternd, gewaltig, gar zerstörerisch. Wenn sich eine sichere Aussage über Wind machen lässt, dann wohl diese, dass Wind unberechenbar ist. Ist das auch mit uns Menschen, uns Wind-Machern so?

Hin und wieder trifft man auf Leute, die wie ein Halm im Wind sind: unsicher, wendisch, wenn sie sich je nach Windrichtung drehen und ihre Ansichten auch. Aber man kann ihnen auch keinen Vorwurf daraus machen! Erst mit zunehmender Lebenserfahrung lerne ich, wann ich meinen Standpunkt aufrechterhalten will und wann sich mein Standpunkt verändert, weil die Situation sich geändert hat.

Unter dem Einfluss von Wind verändern sich Menschen manchmal dramatisch: Besonders Kinder – und dann wieder alte Menschen – können sich kaum der Wirkung von stärkerem Wind entziehen. Sie sind dann „durch den Wind“, unruhig oder aufgeregt. Besonders bei aufkommendem Gewitter mit Windböen können sie – wie auch andere – manchmal nur gerade noch so die Fassung bewahren, wenn sie von Wind und Angst gepackt werden. Und bestürzt oder erregt sind. Wind bleibt unberechenbar und manchmal unheimlich.

Das weiß auch Jesus. In einer nächtlichen Begegnung weist er seinen Gesprächspartner darauf hin: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt“ (Johannesevangelium Kapitel 3, Vers 8): Bringt der Föhn Kopfschmerzen, oder regt dieser warme Fallwind meine Lebenslust an? War ich so durch den Wind, dass es deshalb zu einem Verkehrsunfall gekommen ist...? Oder dass ich mich zu Äußerungen habe hinreißen lassen, die mir zwar leid taten, die aber nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind...

„Du weißt nicht, woher er kommt“, beinhaltet für mich die Antwort. Wind ist nicht einfach nur ein meteorologisches Phänomen als Bestandteil des Wetters: Diese sanfte Brise, jener heftige Sturm ist Ausdruck des Wirkens Gottes.

Aber da ist auch noch etwas anderes: Ich kann den, von dem dieses unheimliche Wind-Geschehen herkommt, beeinflussen: mit meinem eigenen Wind-Vermögen. Selbst wenn ich keine Worte mehr zum Beten finde, bleibt mir zu seufzen! Und das, was mir da so hörbar entströmt, wird an Gottes Ohr dringen und erhört werden: damit ich leben kann. Für das andere bin ich einfach dankbar.